Sommer-Werkbrief aus dem Atelier, Juni 2026

Sommer-Werkbrief aus dem Atelier

Das ist neu für mich. Ich habe Lust – und auch den Impuls – mal wieder einen Werkbrief zu schreiben. Aber keine Ahnung worüber, und wie ich anfangen soll. Jedenfalls: Es sommert, und das ziemlich intensiv. Meine planenden, organisierenden Gedanken, kaum aufgetaucht, verflüchtigen sich, verdunsten in der Hitze, schwirren weg. Ganz anders als die Moskitos. Die kommen hergesirrt. Frage: Könnte es sein, dass die Moskitos meine flüchtenden Gedanken sind die zu mir zurückkehren, um neue Nahrung zu saugen? Uiuiuie, das ist eine interessante Theorie! Da gibt es bestimmt im Internet einen Kanal, durch den die Botschaft kommt, wie das mit den Moskitos und meinen Gedanken zusammen-hängen könnte. Doch im Grunde ist mir das wurscht. Da mache ich einen Punkt. Einen, großen, ovalen Punkt, sogar mit Gold, habe ich ja schon gemacht. Der steht im Atelier an der Wand, an der sich am Nachmittag das starke Sonnenlicht, (durch ein Prisma), zum atemberaubenden Farbenspektrum bricht, das langsam die Wand entlang wandert. (Woran sich die Erdbewegung ablesen lässt). Ich stelle das Bild mit dem ovalen Goldpunkt in dieses farbige Leuchten und fotografiere es. Klick! Ikonen-Gold und Licht-Bild vereinen sich. 

Die Türen sind offen. Manchmal rasen dicke Bremsen in vollem Karacho herein und knallen von innen gegen die Scheibe. Auch wunderschöne Falter kommen herein geflattert. Es gehört für mich – in diesen Sommertagen – zum Sinnvollsten, wenn sie sich an den Innenseiten der Fenster verirren und vergeblich den Ausweg ins Freie suchen, sie wieder freizusetzen. Vorsichtig fange ich sie. Das ist ein feines Gefühl so ein gewichtlos zartes Flügelwesen in den Händen – die einen dunklen Hohlraum bilden – zu bergen, um es dann, im Freien, fliegen zu lassen. Manchmal bleibt es noch ein Weilchen auf der Hand sitzen, nährt meine staunenden Augen und berührt mein Herz.

So wie mir der Falter aus den Händen flattert, so hoffe ich, dass mir auch bald wieder Bilder aus den Händen ins Freie flattern. Denn nach so langer aktiver Draußenzeit (mit Ausstellungen und Vorträgen) dauert es, bist das Atelier wieder von innen her pulsiert. Das Atelier muss, wie ein Instrument, wieder gestimmt werden, damit erneut stimmige Bild- Musik gespielt werden kann. Ich habe deshalb damit angefangen behutsam aufzuräumen. Sorgfältig werden auch die trockenen Blumen sortiert. In aller Ruhe schaffe ich kleine Ordnungsinseln, die sich sachte – wie ein Duft – in die Räume ausdehnen. Das steigerte sich dann tatsächlich bis zum Nasswischen des Bodens. Als Grundierung für eine frische, gereinigte Raum-Atmosphäre. Die lockt vielleicht neue Bilder an? Solche Ordnung verordnet nicht, sondern legt frei. Ich bin ordentlich,damit sich das Außerordentliche ereignen kann.