Karsamstag
Kunstsamstag

Guten Morgen,
gestern, am Karfreitag, war keine Zeit für Nachrichten und neueste Zahlen. Draußen, vor der Tür auf der Wiese, kommen überall wundervolle Farben – im sattem Grün – mit atemberaubenden Formen, duftend ans Licht: Blumen, die mich dann im Atelier ganz fordern. 

L u f t

Dann gilt es das Blaue vom Himmel malend einzuatmen. 
Luft. 
Reine Luft. 
„Reine Luft“ ist auch eine sprachliche Metapher für: „keine Gefahr“. 
Atemgeräte sind wichtig. „Reine Luft“, ohne Corona- und ohne Angst-Virus ist unentbehrlich und lebensnotwendig – von Atemzug zu Atemzug.

Sieben-Jahres-Projekt mit Reclam-Universal-Notizbüchern. Buch 38. 3. 3. 2019. Zeichnung auf Papier. 14.8 x 19,0 cm.

Flugzeuge

Kodentssreifenfrei lassen sich Wolkenbewegungen betrachten. Habe ich das je so nachhaltig gesehen? So sahen die Menschen über Jahrmillionen Himmel und Wolken, bevor die Flugzeuge ihre Linien pfeilgerade ins Blau spurten. 

Flugzeuglinien – Linienflüge.

So nennen die Betreibe selbst ihre Routen.

Sie nahmen meine Gedanken immer mit in irgend eine Ferne, je nach Richtung. Jetzt aber ist das Wolkenspiel und der grenzenlose Himmel, in dem Bussarde kreisen, verortet. Hier und Jetzt.

Axis mundi. (Ausschnitt). Mischtechnik auf Leinwand. 2017

Hier und Jetzt

Das ist jetzt überall, dieses Hier und Jetzt. Das verbindet uns Getrennte.  Denn es ist EIN Luftkörper um die Erde in dem wir alle ein- und ausatmen. Es ist EINE Erde auf der wir alle sind, die von EINER Sonne belichtet wird am Tag und vom EINEN Mond beschienen in der Nacht. 

Hier und Jetzt – vor Ort – auf der Erde – die im offenen Weltenraum mit 20 km pro Sekunde um ihre Sonne kreist, sich dabei noch dreht und pendelt. Wem da nicht schwindelig wird beim: „Mit-beiden-Beinen-fest-auf-der-Erde-stehen?“ Was sind da Flugzeuge?

Wobei: Ich mag Flugzeuge. Es sind ästhetisch schöne Maschinen. Maschinen der Sehnsucht, die, im perspektivischen Weltbild, Fluchtpunkt und Standpunkt verbinden. Sie müssen sehr fein aus dem Gleichgewicht, sozusagen aus der Luftstatik heraus, gebaut werden damit sie abheben – und wieder landen – können. 

Auch ich hebe gerne ab – im Atelier, im inneren Universum – um im Bild zu landen.

Arbeitsplatz. Atemflug der Erde. Sieben-Jahres-Projekt mit Reclam-Universal-Notizbüchern. 14.5.2016. Zeichnung auf Papier. 14.8 x 19,0 cm.

Atelierdynamik

Im Atelier geschieht derzeit viel. Langsam, konzentriert und fordernd. 

Die Vorstellung, jetzt eigentlich in Indien zu arbeiten und in der Aurodhan Galerie in Pondicherry eine Ausstellung vorzubereiten, beeinflusst die Atelier-Atmosphäre, reichert sie an mit kräftigen Farben.

So erreichte das Experiment mit den gespachtelten Farbschichten seine abschließende Dichte. Meine Augen haben Freude daran, denn das Bild hat den Charme eines „indischen Malerlappens“. Ob der Titel: „Licht-Materie“ dafür doch etwas zu gewichtig ist, und es nicht treffender„Indischer Malerlappen“ heißen sollte?

Arbeitsplatz: work in Progress. 2020
Licht-Materie. (Ausschnitt). Acryl und Strukturmaterial auf Leinwand. 45 x 55 cm. 2020

Blumen

Parallel zeichnete ich in Buch 44 eine der Blüten die hier vor Ort wachsen und eine innere Verbindung zu Madalas und Indien haben, wo ich 2001 und 2004 viele Blüten studierte, die dann, produziert von Ulla Röber, in zwei Weleda-Kalendern (2002 und 2005) veröffentlicht wurden. 

Der Sechsstern der sich im Urzirkel, der Astgabel verbirgt repräsentiert ein universelles Gestaltprinzip. Zwei gleichseitige Dreiecke ineinander. Das ist ein spannendes Thema für sich.

Arbeitsplatz. Hausaufgabe für den Indienreisenden der versehentlich in Coronien gelandet ist. Buch 44. Sieben-Jahres-Projekt mit Reclam-Universal-Notizbüchern. 2.4.2020. Mischtechnik auf Papier. 14.8 x 19,0 cm.

Diese Buchzeichnung regte mich an das selbe Motiv in größere Format auf Leinwand zu übertragen. Nach der offenen Grundierung auf dem edel-rohen Leinwand-Gewebe sah ich einem entspannten Malnachmittag, mit Musik und SWR2, entgegen. Doch daraus wurde nichts. 

Das Blumen-Mandala, wollte nicht nur schön erscheinen, sondern auch ganz schön wirksam sein. 

Ich musste die begonnene Zeichnung mehrfach überspachteln und neu beginnen. 

Dabei wird keine „Hormon-Schockolade“ freigesetzt und kein glückserzeugender Dopamin-Serotonin-Cocktail ausgeschenkt. Das ist schlicht frustrierend. Diese kleine Mandala-Blume – aber was heißt schon klein? – zwang mich zur radikalen Präsenz, bis sie ihren Klang freigab. 

Werkgruppe: Blüten – Früchte des Lichts. Mischtechnik auf Tuch. 30 x 30 cm. 2001

Blumen sind meine Gurus.

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. 
Dante Alighieri (1265-1321)

Arbeitsplatz. Buch 44. Sieben-Jahres-Projekt mit Reclam-Universal-Notizbüchern. 6.4.2020. Mischtechnik auf Papier. 14.8 x 19,0 cm.A

… das Blaue vom Himmel
Corona-Blau?

Königsblau. Ölfarbe.

Irgendwie löst mir diese Bezeichnung einen leisen Schauer aus, wenn sie mir in den Sinn kommt und dann auf dem Bildschirm erscheint. 

Und doch: ohne Corona wäre der Himmel derzeit nicht so spurlos blau. Die entsprechende Ölfarbe dafür trägt die Beziehung: Königsblau. 

Das ist die identische Farbe des Himmels. Ich kann sie rein verwenden. Denn die Luft ist sauber und klar, und in der Nacht funkeln Stern-Diamanten. Die Lichtfarben der Prismen sind von körperlicher Intensität. Ist da noch was anderes in der Luft?
… das österliche Licht.
Dieses Licht berührt und schaut dich, mich, uns an.

Ich komme vom Himmel-Blau nicht los. Will noch dabei bleiben. Hineinspringen.

Übertrage auch eine zweite blaue Buch-Skizze auf die Leinwand. 

Auch hier dasselbe: Seit drei Tagen kämpfe ich schwer um Leichtigkeit, sammle alle Wucht für feinsten Ausdruck. Die Hand arbeitet im unteren Millimeterbereich. Wie mein Freund Manfred wenn er operiert. 

Doch das Bild soll an einen emotional-geistigen Energiestrom angeschlossen werden. Es soll fähig sein diese Energiefrequenz zu empfangen, zu halten und abzustrahlen. Da darf es keine Schlampereien geben. Das hat nicht das Geringste mit Pedanterie zu tun, sondern mit Genauigkeit, mit Treffsicherheit. 

Das Blaue vom Himmel. work in Progress.

Genauigkeit und Pedanterie


Genauigkeit repräsentiert das Ganze im kleinsten Detail.
Pedanterie verliert sich im Detail weil es das Ganze nicht mehr im Blick hat, und ist nur noch ein geistloses Echo der Genauigkeit.
Statt öffnende Ordnung, die sich aus Genauigkeit ergibt, produziert Pedanterie beengende Ver-Ordnung.

Das Blaue vom Himmel. work in Progress.

Jetzt ist es genau:
Jetzt und Hier – bei Dir.

Guten Morgen und einen lichtvollen Karsamstag.

Alfred (Bast)