Gnostischer Kuss. Leinwand ausgeschnitten / Rückseite Blattgold. 40 x 30 cm. I2014.

Guten Morgen, am letzten Tag im April,

jetzt würde ich im Flieger von Chennai  nach Frankfurt sitzen.
Doch bin ich froh auf der physischen Ebene nicht fliegen zu müssen. Sondern – per Gedankenflug – ein letztes Mal in diese Blogreihe starten zu können.

Tischinstallation: das ewig Weibliche…. 2011.

Vermutlich wäre die geplante Ausstellung BASE DIVERSITY CREATIVITY – a daily gift, mit einer Performance zu Ende gegangen, wie die Ausstellungen in der Aurodhan Gallery / Pondicherry die Jahre zuvor auch.

Performance. Zeichnen mit brennenden Stöcken. mit dem Musiker Holger Jeder aus Auroville. Pondicherry. Aurothan Gallery 2001.

Er-Innern
Es ist erstaunlich, wie mühelos sich dieses Ausstellungsgeschehen in der Erinnerung vorstellten (imaginieren) lässt. Er-Innern, auch so ein gehaltvolles Wort, mit dem in der Regel Vergangenes gemeint ist. Doch diese Deutung enspricht der Linearperspektive, nicht der Seinsperspektive.


Dabei wird die Lebensstrecke wie eine Straße gesehen. Vorne die Zukunft, im Rückspiegel die Vergangenheit. Das Leben als Abschnitt.
Das entspricht nicht der Lebenswirklichkeit, die natürlich rund ist.

Arbeitsblatt: Seins-Perspektive.

Seinsperspektive
Das Leben rundet sich wie eine Frucht in der ein Innen entsteht, das nach Außen verborgene Kerne ausbildet.

Arbeitsblatt: Seins-Perspektive.

Er-innern ist nichts rückwärtsgewandtes, sondern ein Reifungsprozess der das Anfängliche mit dem Gewordenen zum Lebensteppich zusammenwebt … mancher kann fliegen.
(Dazu gibt es einem Vortag und einen Filmmitschnitt von Renata Keller.)

Arbeitsblatt: Seins-Perspektive

Vorstellung
Die Fähigkeiten des Gehirns, sich in diesem Sinne zu er-innern, Realitäten zu simulieren und sich real darin zu erleben sind enorm. Es werden dabei die selben Gehirnregionen stimuliert wie bei konkreten Ereignissen.
Was ist Wirklichkeit, was Vorstellung? Was die Wirklichkeit der Vorstellung?
Damit bin ich schon bei den subjektiven Vermögen des Menschen, um die es in diesem letzen Beitrag gehen wird.

Das Zelt der Sphären. Mischtechnik auf Leinwand. 40 x 30 cm. 1995.

Kunst als Wissenschaft des Subjektiven
Wenn es gestern einen skizzenhaften Überblick zur Entdeckung der Perspektive als welthistorisches Großereignis gab, an dessen Auflösung wir, durch das raumaufhebende Internet angekommen sind, wird, heute – wieder mal in Aller-Herrgotts-früh – das „Objekt“ der Betrachtung der subjektive Mensch und sein Selbst-Bild sein, dessen Ausdruck die Kunst ist.


Die Kunst wird dabei als „Wissenschaft des Subjektiven“ verstanden.
Die „Künstlerische Intelligenz“ er-innnert die eigenschöpferischen Vermögen, hebt sie aus dem Unbewussten und gestaltet am inneren Arbeitsplatz kommunikationstaugliche Formationen, die sich ohne Internet sofort in die das atmosphärische Feld der „Weltenbaustelle Mensch“ einspeisen.

Heimat. Vogelnest, Beton, Flugzeug. 1992.


Die Bedingtheit des Menschlichen
Wenn beim technischen Fortschritt eine Überholspur die nächste überholt und das heutige up-date Morgen schon veraltet ist, bleibt der Mensch in seinem natürlichen Rhythmus gebunden. Ich würde gerne sagen: geborgen.

… schneller …höher … weiter … das sind keinen guten Diagnosen für das menschliche Herz. Es schlägt am besten im ruhigen Rhythmus, damit seine ungeheure Transport-Leistung von etwa 10 000 Liter Blut am Tag nicht zusätzlich belastet wird. Das Gleiche gilt für die Körpertemperatur. Ein paar Grad mehr und das Fieber ist da.
Kommt mir eben in den Sinn: Könnte das nicht auch für die Erdtemperatur gelten?

—-

Er-Innern. Mischtechnik auf Leinwand. 100 x 100 cm. 2001.

Das Selbst-Bild
So steht dem technisch-naturwissenschaftlich-fortschrittlichen Welt-Bild die Kunst – als Ausdruck des menschlichen Maßes – ich könnte auch sagen: als „Kraft der Mitte“ komplementär-ergänzend gegenüber.

So gewaltig die kollektiven technischen Errungenschaften auch sind, letztlich treffen sie wieder auf die Begrenzungen und Deutungen des subjektiven Menschen, von dem sie ausgehen.

Begrenzungen?
Gott-sei-Dank! Diese „lästige“, filigrane, begrenzte Subjektivität, die ihre nächtliche Dosis Unbewusstsein, ihren Schlaf braucht.
Nein, ich möchte keine Maschine sein, wie Andy Worhol!
Denn die Grenzen des Subjektiven sind zugleich die Lücken, durch die das das große Unbewusste -ins oft chaotische Schlamassel der Ichprojekte -heilend, kräftigend und ordnend einwirken kann.

Sieben-Jahres-Projekt mit Reclam-Universal-Notizbüchern. Buch 8. am 5.10.2014.

 

Der Künstler ist sein eigener Stoff
Der Künstler ist sein eigener Stoff, ein Exemplar der Menschheit in männlicher oder weiblicher Gestalt. Er durchdringt sich selbst mit den Mitteln des Bewusstseins und der Innenschau. Das „Erkenne Dich selbst“ ist ein Weg durch sein Da-Seins, indem alle Schichten als Ebenen und Stufen eines Ganzen erfahren und erkannt werden.

Kreuz-Figur. Mischtechnik auf Leinwand. 100 x 80 cm. 1983.

In der Mitte ist ein leerer Raum, durch den das Leben und die Liebe strömt, damit das Blut sich anreichern kann mit der Kraft einen höheren Intelligenz, die dann wiederum in die Tiefen des bekannten Lebens gestaltend hinein zu wirken vermag.

Mit Eigendünkel, Wichtigtuerei und Selbstüberschätzung hat das nichts zu tun. Das persönliche Ich ist die Schale, nicht der Inhalt. Doch die Schale ist wichtig! Sie muss dem geistigen Guss standhalten. Es gilt: Ich bin zwar nicht das Ziel, doch ohne mich kann ich des nicht erreichen.

Du im Ich. Mischtechnik auf grundierter Leinwand. 1986.


Wir – das Ich
Ich habe das im Bild „Du im Ich“ untersucht und visualisiert.

Es ist ein Bild das die Komplexität des Ich und die Frage nach der Identität aufwirft. Es zeigt drei Aspekte:
1. das körperliche Sein in Raum und Zeit.
2. das Image und Spielgel-Ich und
3. die innerste Dimension, (die Geist-Seele, der spirituelle Kern).
Dazwischen ereignet sich in kreativer Wechselwirkung das Leben als Werk.

Anatomie des Ich
Den drei Ich-Ebenen entsprechen drei Gesichter im Bild.
In der ersten Ebene ist das Ich gesammelte Präsenz mit geschlossene Augen. In der zweiten wird es nazistisch. Das dritte, das Spirituelle ist kaum darstellbar.

Das Narzistsiche Ich leitet seine Identität von der Spiegelung ab, das als „Image“, zunehmend Bedeutung und Macht gewinnen kann.
Es „erwacht“ im Spiegel und wirkt rückkoppelnd und kontrollierend auf seinen Urheber. Es scheint perfekter als sein Urbild, weil es auf der Ebene der Oberflächenerscheinung bleibt? 

Die Spiegelform bildet in seiner Fortsetzung ein Dreieck, dessen Spitze im geschlossenen Auge des Mannes liegt. Sie geht als Projektion aus ihm hervor.

Projektionen-Projekte
Wir produzieren permanent Vorstellungen von uns selber, weil wir uns nicht als Ganzes wahrnehmen können. Wir erleben uns selbst nur von Innen nach Außen, während wir uns gegenseitig von Außen nach Innen wahrnehmen.

Du im Ich. Mischtechnik auf grundierter Leinwand. 1986. (Ausschnitt)

Narziss
Um durch die nazistische Phase, in der sich alles auf das eigene Bild und dessen Bestätigung und Wirkungen auf Andere bezieht, hindurch zu dringen muss der erste Aspekt des Ich in den Spielgel-See springen der es selber ist. Wie? Indem er die Augen schließt und nach Innen schaut.

Innenschau
Dadurch wird die Spiegelfläche, das Oberflächen-Profil verflüssigt. Es gibt Wellen, Brüche und Aufruhr. Tauchend geht er sich – so weit wie möglich – auf dem Grund und erkundet die Programme die ihn ausmachen.

Die Wahrnehmung nach Innen gleicht dem Eintritt in eine fremd vertraute Landschaft. Ein Universum aus Nähe tut sich auf. Dann beginnt ein Um- und Rückstülpungsprozess.

Du im Ich. Mischtechnik auf grundierter Leinwand. 1986. (Ausschnitt)


Innen öffnet sich Herz-Auge … frag mich jetzt bitte nicht was das ist, schau mal selber… Mit diesem Auge kann das spirituelle Kern-Ich, das hier als lichtes Kinder-Engel-Gesicht hinter dem Spiegel-Ich angedeutet ist, wahrgenommen und seiner Stimme gelauscht werden.  

Diese dritte Ebene bildet den Wesens-Kern, den göttlich-schöpferischen Funke im Zentrum des Menschen ab, ohne den es keine Manifestationen geben würde. Logischerweise auch keine die diese Ebene bezweifeln könnte.
Sie ist der Mittelpunkt – auch des Bildes. Sozusagen die innere Sonne um die Erde und Mond kreisen.

Diese Qualität im Menschen gehört einer anderen Ordnung an die das Ich-Bewusstsein nicht greifen kann, obwohl es doch dorthin ausgerichtet bleibt und von dieser inneren Quelle Sinn, Wärme und Kraft kommt.

Du im Ich. Mischtechnik auf grundierter Leinwand. 1986. (Ausschnitt)

Destination
Die Zeit ist verflogen … schon? … das ging flott.
Wir setzen bald zur Landung an? Gut.
Bitte anschnallen und alle noch freischwebenden Gedanken im Netz speichern.


Es gäbe noch viel zu sagen, doch viel ist ja schon gesagt, und wer will kann das manches ja auch nochmals aufrufen.

Werkbuch 2020.

Mit dieser jetzigen Landung kommt auch das sieben Jahres-Projekt mit den Reclams-Universalbüchern an sein Ziel. Es wird noch ein Jahr online veröffentlicht werden, denn es ist genau um ein Jahr zeitversetzt.

Morgen wird Buch 39 vom 1. Mai 2019 bis 30. Juni 2019 online betrachtet werden können.

Das letzte der Reihe, Buch 44, wird heute seinen letzen Eintrag bekommt.

In einem Jahr wird es online gehen. Wie werden wir 2020 Er-Innern?

Mit besten Wünschen und herzlichen Grüßen.
Alfred (Bast)

Evolution. Ölfarbe auf Leinwand. 450 x 95 cm. Pondicherry 1974,

 

Meditation. Mischtechnik auf Tuch. Ausschnitt. mit Spektrallicht. 2018.

 Land gewinnen.
Wir müssen der Kunst
wieder Land zuführen.
Erkenntisland.

Kunst ist der Garten
der menschlichen Seele-
Voller Dämonen und
Engel im Spiel.

Fällt dieses schöpferische
Miteinander in zwei
Hälften auseinander, hinab,
beginnt der Krieg.
Böse. Humorlos. Lüngnerisch.

Blüten und Kinder sind Opfer.
Blühende Kinder.

Kunst gedeiht wo dynamischer
Friede ist.
Kunst erzeugt dynamischen Frieden.

Land gewinnen.
Wir müssen der Kunst
wieder Land zuführen.

Erkenntnisland.

13.9.2002.