EWIGLICHT so nannte mein Freund Friedemann Binder die Spektralfarben in einer Mail.
Seit Jahrzehnten arbeite ich im Atelier mit Prismen. Wenn an einem sonnigen Tag irgendwo in den schattigen Zonen der Räume das Spektrallicht aufleuchtet, dann steht die Zeit für einen Moment still. (Licht definiert ja die Grenze der Zeit.) Sie hält gleichsam den Atem an und öffnet diesen farbigen Spalt … Ewigkeit sickert herein.
Meine Augen baden in der überwirklich leuchtenden Klarheit dieser Farben. Sie bestaunen die extreme Verschiedenheit, ihre bruchlos sanften Übergänge und ihren harmonischen Zusammenklang zu purer Schönheit, in der aus der Einheit des farblosen Lichtes dieses Wunder der geordneten Vielfalt bricht.
Mir wird heilig zumute, als würde etwas aus der göttlichen Werkstatt des Universums unmittelbar einleuchten und meine begrenzte Einsicht mit höherer Intelligenz belichten.
Das EWIGLICHT offenbart sowohl die friedlich-harmonische Koexistenz der farbigen Gegensätze, als auch ihr schöpferisch-komplementäres Ergänzen und Zusammenwirken in allen Formen und Farben der Natur.
„Warum“, so fragt der begrenzte – momentan vom Spektrallicht belichtete Verstand – „Warum ist das dann noch nicht (oder noch viel zu wenig) auch im allgemeinen Bewusstsein und Zusammenwirken der Menschen, die wir doch EINE Spezies bilden und auf EINER Erde leben, angekommen und wirksam?“
Die Zeit ist reif: das EWIGLICHT ist da.

