M AYA …work in progress. Werkbrief aus dem Atelier. Februar 2026

WERKBRIEF aus dem Atelier … work in progress | Februar 2026

Es gibt seit 1980 einen Ordner „Entwürfe“ in den ich immer wieder hineinschaue. Die meisten sind virulent. Sie warten auf ihre Realisation. Einer von ihnen, aus dem Jahre 1986, ist jetzt in der Verwirklichungsphase. M AYA ist sein Titel.

M AYA, Entwurf. Farbstift auf Papier. 30 x 30 cm. 1986.

Es ist wohl die heiter-beschwingende Anmutung dieses Entwurfs die mich zur Realisierung anregte. Mit den natürlichen Dingen die einfach so da sind, und die ich seit vier Jahrzehnten male (porträtiere).
Ich ordne sie der Werkgruppe NATUR IKONEN zu. (Diese Bilder werden im Mai 2026 in Ellwangen im Palais Adelmann ausgestellt, wo ich auch das Bild M AYA zeigen möchte). Diese Dinge, das sind Geschenke der Natur, bis zur Banalität gewohnt (und deshalb gewöhnlich?). Wenig attraktiv, weil nicht fordernd, sondern nachwachsend in Hülle und Fülle zur Verfügung stehend. Als Nahrung zum Beispiel. Für mich auch als Wunder. Denn was die Erde da an Vielfalt (hier im Bild reduzierte auf der Ebene der Pflanzen) hervorbringt, ist Ausdruck einer universellen Intelligenz. In diesen, für unsere Deutung so vertrauten Dinge, drücken sich die Wirkmächte der Gravitation, der Schwerkraft aus. Es schreiben sich die Sonnenenergie, die Umlaufbahnen der Planeten, die pochende Kraft des Erdherzens und das unerschöpflich-schöpferische Zusammenwirken der Elemente in sie ein.

Also hingeschaut!

Gewiss der Bildschirm liefert aufregendere Bilder: blitzschnell … zack-zack! … in knüppelharten Schlagzeilen.
Doch sind sie auf die Dauer nicht eher trist und rasch veraltet, verdrängt von neuen Katha-Strophen in den Leiergesängen der Menschheit? Ist dieser Sensationswettlauf nicht zugleich hektisch, lähmend und widersprüchlich?
Ich bin ein Freund der Widersprüche als schöpferisch sich ergänzende komplementäre Spannungspole wie Plus und Minus, wie Einamten und Ausatmen, doch es gibt Widersprüche die nicht das Ganze erhalten und beleben, sondern es zu Gut-Böse, Freud-Feind amputieren und das Ganze somit aus dem Blick verlieren.

| Dann flüchtet sich die Angst aus der Vergangenheit und projiziert sich in die Zukunft … woher sie dann droht.
| Dann soll die Aufrüstung mit Waffen den Frieden sichern? … hmm.
| Dann heißt es erst: Atomstrom, nein Danke! … und später: Atombomben, ja Bitte.
| Dann wird die Schulden-Bremse zum Gas-Pedal.
| Und die (unzähligen) Versprechungen entpuppen sich, kaum gesagt, gleich als Versprecher
| Die Bösen sind dann „gesichert“ immer die Andern, die guten natürlich die jeweiligen „Wir“ … usw … usf.

Das alte Lied. Es wirkt auf mich wie ein überhitztes, sich atemlos beschleunigendes ödes Großtheater, das vor der Weltkulisse, in seelenlose Wüsten flirrende Fata Morganas – auf allen Kanälen – virtuell hinein projiziert. Kanäle die sich um ihre followers und die davon abhängigen Werbeeinnahmen sorgen müssen.

Ein Motto der Zeit lautet: Je mehr desto besser, mächtiger, wirksamer!? Das mag für Klicks. Stimmen. Geld zutreffen. Doch wenn wir da unseren eigenen lebendigen Organismus befragen, stimmt das nichtg. Für ihn reguliert das Maß die Masse, der Rhythmus die Geschwindigkeit. Das hält ihn im Ganzen gesund.

Jedenfalls stellt sich das, was meinen Bedarf an wirklicher Substanz (Wirklichkeitssubstanz) betrifft, so dar. Diese Substanz lässt sich leicht pflücken. Eine handvoll Achtsamkeit aus den Augen auf die Dinge gestreut, und schon öffnet sich der Blick ins konkrete Wunderbare und inspiriert den Sinn. Und Sinn ist ein sehr, sehr kostbares Vermögen!

So male ich also derzeit an dem Bild mit den Natur-Dingen, die für viele unbedeutend (weil harmlos) sind, für andere Illusion (weil vergänglich). Und für dritte unkünstlerisch (weil nicht ARTifizell). Für mich sind es gestaltgewordene Buchstaben aus dem Alphabet der Natur mit denen ich momentan an einem Gedicht mit dem Titel: M AYA schreibe.

Alfred Bast. Werkbrief auf dem Atelier | KUNST KLOSTER art research |Februar 2026

M AYA. Ausschnitt. Work in Progress. 200 x 230 cm. Mischtechnik auf Nessltuch. 2026