Berlin: 30.1. 2017

Heute Morgen, in meiner Berliner Kunst-Kloster-Zelle, umgeben und durchdrungen vom dramatischen, trampelnden Weltgeschehen und der Frage was zu tun sei, hat sich dieser Text entwickelt.
Das „du“ darin spricht nicht von mir als einem Besserwisser, zu „dir“ ,als jemanden den ich belehren könnte, sondern dieses „du“ gilt auch mir selbst.
Es ist eine der wertvollen Möglichkeiten des Schreibens, dass der Schreiber – eben durch das Schreiben – Ein-Sichten erlangen kann die weit über seinem sonstigen Horizont liegen. Nur dies macht es sinnvoll diesen Text auch mit zu teilen.
Zwei Kräfte zehren das Lebendige, Natürliche, von Gott Gegebene – also nicht von Menschen Gemachte – auf:
Die brennende, unlöschbare Gier, und die emotionale Vereisung.

Sie spalten das Ganze und schaffen Gettos von „Gut und Böse“. Indem sie aussperren, sperren sie sich selber ein. Sie bauen ihre eigenen Luxus-Gräber mit unüberwindlichen Friedhofsmauern. Sie verhärten und verpanzern ihre atmende Haut, präparieren sie mit giftigen Stacheln, schminken diese und tränken sie mit Parfüm. Was für ein Elend! Was für eine elende Armut vieler (nicht aller!) Reichen. Weltweit.
Vergiss nicht:
Du bist nicht nur austauschbares Rädchen im Getriebe, wertloses Staubkorn im Universum, nicht nur Quotenfutter und statische Nummer. Du bist unbegrenzte Innenwelt! In dir ist ein eigenes Herz, die Lebensquelle. Du bist ein eigener Kopf mit einem Universum darin, ein eigener Körper, keine Maschine.
Jeder Mensch ist eine ganze Welt. Sie lebt mit ihm, sie stirbt mit ihm.

Damit ist ein Schlüssel zu fertigen, die Macht der kollektiven Angst-Hypnosen und Suggestionen auf zu lösen. Doch das übernimmt keiner für dich, das musst du selber leisten in der Werkstatt, deiner Schmiede, deinem inneren Arbeitsplatz. Du hast es in der Hand. Du musst die schwierige Lektion lernen das gefallene Feuer der Gier und die emotionale Vereisung um zu wandeln, um es für dieses Schlüssel-Werk zu nutzen.

Jede leise Freude, die zum Beispiel aus dem Anblick einer Gruppe fliegender Wildgänse in dein Herz gelangt, erinnert dich: du bist ein Gedanke Gottes! Doch ist er auch schon ausgesprochen?
Sprich dich aus! Diesen Gedanken Gottes der das innerste Wesen alles Lebendigen ist, sprich ihn aus durch dein Da-Sein. Das erst bist du! Alles andere ist vor-läufig. Werde das was du bist!
Verwirkliche das Urbild des Göttlichen das dein innerstes Wesen ist und fördere es, über die Resonanz, auch in andern. Mach das möglich, inmitten des eigenen und kollektiven Chaos, mit diesem und durch dieses hindurch.

Fliehe nicht, sondern baue mit den Fragmenten entwurzelter Werte, die im Ozean der Beliebigkeit umhertreiben, deine Arche. Mische mit deinen Tränen die haltbaren, lichtbeständigen Pigmente der Verzweiflung an, nimm die zähen, harzigen Schmerzen, die aus den Wunden deines Stammbaums bluten, als Bindemittel. Male das Bild deiner Arche.

Male das Urbild das du bist. Lege es frei. Das ist Malerei. Um dieses eine Bild geht es. Da ist die schöpferische Tat… da ist die Kunst!
Du hast es in der Hand und die Zeit es zu tun. Beginne jetzt damit … beginnen Wir, fangen wir an … um aus den Fängen der Gier und der Vereisung zu gelangen.

Keine Gräber, sondern atmende Schiffe mit Flügeln bauen wir – malend. Wir lernen dann – ohne Gerät – mit den Wildgänsen zu fliegen in unserm weiten, schönen, unbegrenzten Heimat-Haus.
Das ist die Traumreise in die Wirklichkeit zu der wir berufen – und fähig – sind.

Gleich werde ich vor die Tür gehen, in die viel engere Außenwelt. Dann bin ich wieder einer von vielen, einer von Außen, ein älterer Mann (…ein Rentner…) der in der Bäckerei am Eck seinen Kaffe holt, und ihn genießen wird nach dem langen Schreiben. Die Anderen denen ich begegne, diese anderen Innenwelten, werde ich dann auch von außen sehen, und mir vielleicht noch vorstellen, wie wir in den Träumen der Wirklichkeit – wie die Wildgänse – gemeinsam in lichten Lüften über die Sumpfgebiete der Ängste fliegen, hin zu den Gründen die uns nähren.