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Matthias-Projekt

Matthias-Projekt

           Bestimmung

Millionen sorgen dafür
Dass die Gattung bestehe,
Aber durch Wenige nur
Pflanzet die Menschheit sich fort.

                                          Friedrich Schiller

Ein Freund-Bild

 

jan-05-011

 

Werk-Brief

Das „Matthias-Projekt“

„Mein“ Matthias ist keine historische Gestalt.  Er ist ein Freund dessen Schicksal mich er greift.

Mathias ist Chirurg, und seine Hände sind ihm das „nach außen gelagerte Gehirn“ (Kant).
Er hatte einen Unfall mit schweren Kopfverletzungen und lag 2 Monate im Koma. Nach einer harten Phase und guter Behandlung von Angehörigen und Freunden entschloss er sich sein Leben neu zu ergreifen. Es neu zu lernen. Von Anfang an.

Vielleicht ist es diese Majestät des Anfangs, die Kraft seines tiefen bejahenden Lebensimpulses die mich erreichte und inspirierte, als ich ihn an seinem 50sten nach dem Unfall zum ersten Mal wieder sah und spontan den Wunsch hatte ihn zu portraitieren?

Anfangen, das heißt auch: das Bekannte tiefer erforschen. Das Gewusste noch einmal befragen. Im Selbstverständlichen das Wunder eröffnen. Auch als Künstlermensch bin ich am Anfang. Will es sein. Mit jeder leeren Leinwand ist ein Anfang verprochen, eine Möglichkeit gegeben, am Selbst- und Weltbild zu arbeiten, als an einer lebendigen Skulptur. Das ermöglicht eine Sichtweise, das Subjektive, Persönliche, transparent zu machen für das Intersubjektive, für das vielfältige Ganze.

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Im Persönlichsten spricht sich das Überpersönliche am deutlichsten aus, wird die gemeinsame Struktur menschlichen Seins erlebbar. Im Schicksal jedes Einzelnen vibriert etwas zutiefst Gemeinsames. Wenn wir spontan die Not des andern lindern wollen, dann auch deshalb, weil wir spüren, dass wir dem großen Menschheitskörper zugehören, und manchmal im eigenen Herzen das Weltenherz spüren.

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Jede Person ist unverwechselbar einmalig und genau deshalb zugleich Repräsentant der Gattung.

Allerdings: je mehr wir zu manipulierbaren und reproduzierbaren Teilchen einer globalen Kollektivierungstendenz werden, desto mehr verlieren wir die Verbindung zu unseren individuellen Gestaltungskräften und geraten in illusionäre Gettos, in denen das pulsierende Lebendige in hektischen Reflexen erstarrt. Vielleicht interessiert mich deshalb das Persönliche, das individuelle Sein, um die schwierig zugänglichen inneren kostbaren Ressourcen zu entfalten und – selbst beschenkt mit Leben – es mit etwas Frischem, Nahrhaftem und Schönen wiederum anreichern zu können.

 

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Das Weimar Goethes und Schillers, Nietzsches und Steiners, ist nicht zufällig der Ort in dem er lebte und arbeitete. Vier Tage verbrachten wir dort gemeinsam in seiner großzügigen Wohnung im Stadtzentrum. Ich zeichnete, fotografierte, filmte ihn. Es ist anschließend im Atelier ein Tryptichon entstanden, aus 27 Einzelbildern, Pastell auf gerissenem Papier.

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